Das Leichenhaus der lebenden Toten - Jorge Graus Öko-Zombiefilm von 1974 alias Invasion der Zombies | ClasSicks #361
Ein Antiquitätenhändler, eine Landstraße in England und eine Maschine, die eigentlich nur Insekten vertreiben soll: In den ClasSicks nehmen sich Kane und Mike "Das Leichenhaus der lebenden Toten" von 1974 vor, den spanisch-italienischen Zombie-Klassiker von Jorge Grau. Ein Film, der bei Bestenlisten des europäischen Zombiekinos auffällig oft durchrutscht, obwohl er zwischen Romero und Fulci locker mithalten kann.
Schon der Einstieg ist ein Kuriosum: Der Film läuft weltweit unter rund sechzehn Titeln. Im Original heißt er "No profanar el sueño de los muertos", international kennt man ihn als "Let Sleeping Corpses Lie" oder "The Living Dead at Manchester Morgue", im deutschsprachigen Raum zusätzlich als "Invasion der Zombies". Kane und Mike sortieren das Titelchaos und stellen fest, dass genau das dem Film über Jahrzehnte geschadet haben dürfte.
Worum es geht: George (Ray Lovelock) will übers Wochenende aufs Land, sein Motorrad wird an einer Tankstelle von Edna (Cristina Galbó) demoliert, also teilen sich die beiden notgedrungen ihren Mini. Im Zielgebiet testet das Landwirtschaftsministerium gerade ein neues Gerät, das Schädlinge über Ultraschall statt über Pestizide bekämpfen soll. Die Nebenwirkung: Die Toten der Gegend stehen wieder auf. Ein sichtlich autoritärer Polizeiinspektor (Arthur Kennedy) sucht die Schuld derweil lieber bei den langhaarigen Zugereisten.
Im Gespräch geht es um das ausgestellte Siebziger-Flair, um Set Pieces wie Friedhof, Gruft und Leichenhaus, die bis heute atmosphärisch funktionieren, und um die Maskeneffekte von Giannetto De Rossi, bei denen jeder Zombie ein eigenes Gesicht bekommt. Mike erklärt, warum ihm die europäische Zombie-Schule lieber ist als die blaue Gesichtsfarbe in Romeros "Dawn of the Dead", und wo für ihn im Vergleich "Day of the Dead" und "Land of the Dead" stehen. Kane wiederum hat sich in die deutsche Synchronfassung verliebt: Ein paar Dialogzeilen klingen, als hätte Tarantino sie geschrieben.
Zweiter großer Block ist die Zensurgeschichte. 1983 indiziert, in den Nullerjahren nach Paragraf 131 beschlagnahmt, zwischenzeitlich erneut geprüft und erst 2024 vollständig freigegeben. Kane liest aus den Begründungen vor, von "in epischer Breite dargebotener" Gewalt bis zur heutigen Einschätzung, der Film sei erzählerisch langatmig und für Jugendliche kaum noch anschlussfähig. Die beiden fragen sich, ob die Prüfstelle damals denselben Film gesehen hat wie sie.
Außerdem Thema: die angeblich geschickt verpackte Sozialkritik und die Ökobotschaft vom verrußten England gegen das gesunde Land, ein Drehtag auf einem Friedhof mit Little-John-Grab samt 24-Stunden-Räumungsauflage, ein rot lackierter Mähdrescher als futuristische Wundermaschine, das Frauenbild des Siebzigerjahre-Horrors, ein Überholmanöver mit Ace-Ventura-Qualitäten und ein Polizist, der beweisen will, dass es auch allein geht.
Zum Schluss Tops und Flops. Kane hadert mit dem Leerlauf zwischen den Höhepunkten und feiert dafür einen der bekanntesten Kills des Films, Mike lobt die Stimmung, die er mit einer warmen Decke auf der Couch vergleicht. Und natürlich gibt es den Triple Threat. Wie der Film bei Titten, Trompeten und toten Tieren abschneidet, gibt es nur auf die Ohren.
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